Selbstfürsorge: Sauerstoff zuerst für Sie!
- Stefanie Heß

- 15. Dez. 2023
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 1. Apr.
Warum Selbstfürsorge so wichtig ist
Selbstfürsorge: Sauerstoff zuerst für Sie! Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich das letzte Mal in einem Flugzeug saß. Und doch erinnere ich mich an die Einführung des Kabinenpersonals zu den Maßnahmen eines möglichen Notfalls. "Sauerstoff zuerst für Sie!"

Eindringlich wird ausgeführt, dass man sich unbedingt selbst zuerst die Sauerstoffmaske aufsetzt, bevor man Kindern, Partner oder anderen Mitreisenden zu Hilfe eilt. Die Damen und Herren der Airline erklären auch warum:
Wenn Sie selbst zu wenig Sauerstoff haben, was sehr schnell gehen kann, dann verlieren Sie das Bewusstsein. Bewusstlos können Sie weder sich selbst schützen, noch einem anderen Menschen helfen. Logisch, oder?
Und doch stellen viele Menschen fest, dass genau dieser fürsorgliche Umgang mit sich selbst im Alltag erstaunlich schwerfällt. Wenn Sie das für sich verändern möchten, begleite ich Sie gern bei den ersten Schritten.
Selbstfürsorge: Kaum ein Klient achtet ausreichend darauf!
Was im Himmel so klar ist, ist auf Erden so oft ein nahezu unüberbrückbares Hindernis. Kaum ein Klient achtet ausreichend auf Selbstfürsorge. Im Gegenteil: viele meiner Klienten haben alles im Blick: die Familie, den Job, die Karriere, die Hobbies, Freunde und social media.
Am Ende des Tages sind sie dann so ausgepowert, dass Sie fast bewusstlos auf ihr Sofa fallen und einfach nichts mehr tun, für nichts mehr wirklich Kraft aufwenden können und mögen. Dabei ist Selbstfürsorge so enorm wichtig für uns.
Selbstfürsorge: Was macht das mit uns?
Wenn wir fürsorglich mit uns umgehen, dann beeinflussen wir unsere ganze Gesundheit, unser Wohlbefinden und unsere Lebensfreude. Wir fördern unsere mentale Gesundheit, reduzieren Stress, tanken Kraft (mental und körperlich), fördern die Kreativität und die Resilienz und nicht zu Letzt beugen wir Burnout vor.
Mit dem diesem Beitrag möchte ich ein Plädoyer für mehr Selbstfürsorge halten und Sie "anstiften" für den wichtigsten Menschen in Ihrem Leben, sich selbst, gut zu sorgen.
Selbstfürsorge, so wichtig wie körperliche Beschwerdefreiheit
Was ist Selbstfürsorge?
Selbstfürsorge sind Handlungen, die dem psychischen und physischen Wohlbefinden dienen und uns damit helfen, Stress und Belastungen des Lebens auszugleichen. Dabei hat Selbstfürsorge zwei Dimensionen.
Zum einen, ist Selbstfürsorge ein Mehr. Also Dinge zu tun, die uns gut tun, uns nähren, uns verwöhnen, uns Freude und Leichtigkeit schenken. Zum anderen, ist Selbstfürsorge auch Beschränkung oder Verzicht auf Dinge die uns schaden (z.B. Arbeitszeit, bestimmte Nahrungs- und Genussmittel, Konsum sozialer Medien).
Warum ist Selbstfürsorge so wichtig?
Selbstfürsorge ist die Basis für ein erfülltes Leben. Sie bedeutet einen gesunden, wertschätzenden, liebevollen und fürsorglichen Umgang mit sich selbst, anderen und dem Leben. Ein liebvoll-achtsamer Umgang mit uns selbst ermöglicht einen erweiterten Blickwinkel auf das Leben und schafft lösungsorientierte Sichtweisen.
Selbstfürsorge hilft Ressourcen zu aktivieren, die uns in kritischen Lebensphasen zu stärken. Dadurch erreichen wir einen konstruktiven Umgang mit dem Leben und seinen Herausforderungen.
Selbstfürsorge wirkt also präventiv. Wir beugen so psychischen und körperlichen Krankheiten vor. Selbstfürsorge kann aber auch kurativ (heilend) wirken. Sie kennen das bestimmt: Sie sind krank und jemand kümmert sich um Sie. Kocht eine Hühnersuppe, erledigt den Einkauf oder bereitet einen Tee. Es ist ein wundervolles Gefühl, umsorgt und liebevoll verwöhnt zu werden. Da geht es doch gleich viel besser!
In unserm Gehirn wird Oxytocin ausgeschüttet. Dieses Hormon nennt man auch das "Kuschel- oder Liebeshormon". Das spannende ist nun, dass unser Gehirn nicht unterscheidet, ob wir verwöhnt werden, oder ob wir uns selbst verwöhnen. Naja, so denken Sie jetzt vielleicht. Es macht aber schon einen Unterschied, ob sich jemand um mich kümmert, oder ob ich das nun selbst machen soll. Ich stimme Ihnen bedingt zu.
Es ist wunderbar, dieses Gefühl umsorgt zu sein. Und doch ist es für die Wirkung irrelevant, wer das tut. Und nicht jeder hat immer jemanden zur Seite, der sich kümmert. Versuchen Se es also einmal und behandeln Sie sich fürsorglich und liebevoll.
Umsorgen Sie sich, wie Sie Ihre beste Freundin/Ihren besten Freund umsorgen würden. Sie werden merken, wie wunderbar sich das anfühlt. Und: das eine schließt das andere nicht aus!
Warum ist es so schwer selbstfürsorglich mit sich umzugehen?
Für aufopfernde Nächstenliebe ernten wir häufig Anerkennung, während Selbstliebe und Selbstfürsorge oft als egoistisch, selbstverliebt oder narzisstisch bewertet werden. Gerade Frauen sind deutlich häufiger von der Forderung für andere zu sorgen beeinflusst und empfinden schnell Schuldgefühle, wenn es darum geht, etwas für sich zu tun. Viele benötigen eine Rechtfertigung oder einen externen Grund (bspw. eine Einladung, ein Geschenk), um sich zu erlauben, gut für sich zu sorgen.
Bei ganz vielen Menschen ist das wie ein Programm. Wie ist es bei Ihnen? Haben Sie in Ihrer Kindheit und Jugend vielleicht auch genau das vorgelebt bekommen? Und noch anders gefragt: Wie wirkt es auf Sie, wenn sich jemand zuerst um sich selbst und sein Wohlbefinden kümmert? Was sagt Ihr Verstand dazu?
Unsere Hürden für Selbstfürsorge
Wenn ich mit Klienten auf Ihren Umgang mit sich selbst und die Selbstfürsorge anspreche, dann entsteht oft eine kleine Pause und betretenes Schweigen. Zusammengefasst sind die Gründe für fehlende Selbstfürsorge folgende:
niedriger Selbstwert - ich muss mir selbst etwas Wert sein, um gut für mich zu sorgen. Wenn Sie sich selbst einen niedrigen Wert beimessen, dann kommt die Fürsorge für Sie an letzter Stelle.
Soziokulturelle und sozialpsychologische Aspekte – vielen von uns wurde anerzogen eben nicht egoistisch zu sein. Die moralische Erwartung in unserer Gesellschaft ist geprägt von Aufopferung (Familie, Job, Freundeskreis!). Nur wer etwas leistet hat auch einen Wert.
Nächstenliebe
Hilfsbereitschaft
Genügsamkeit
Um Missverständnissen vorzubeugen: Dies ist nicht als Aufruf für eine Ellenbogenmentalität und zur Rücksichtslosigkeit gedacht. Ich glaube fest an die Gemeinschaft und die gegenseitige Hilfsbereitschaft. Wir sind soziale Wesen und helfen uns gerne gegenseitig. So funktionieren wir und so fühlen wir uns auch wohl.
Wir sollten füreinander das sein. Es geht mir an dieser Stelle darum zu sensibilisieren, auf die eigenen Grenzen zu achten und das eigene Wohl nicht hinter das unserer Mitmenschen zu stellen. Denken Sie an den Sauerstoff! Nur wenn Sie ausreichend Sauerstoff haben, können Sie Mitreisenden die Sauerstoffmaske aufsetzten.
Mehr Selbstfürsorge: Wie Veränderung gelingt ?
Doch wie stellen Sie das nun an? Es klingt in der Theorie so einfach und plausibel. In der Praxis ist da nun der volle Terminkalender und die Anforderungen von allen Seiten. Und jetzt sollen Sie auch noch Selbstfürsorge betreiben? Unmöglich denken Sie vielleicht gerade.
Vielleicht ist es aber bei Ihnen auch so, dass Sie das alles schon seit geraumer Zeit wissen und sich auch täglich vornehmen fürsorglicher mit sich zu sein. Mehr auf sich zu achten. Am Ende des Tages fallen Sie aber doch wieder völlig erschöpft auf den Sessel und zu allem Übel werfen Sie sich dann auch noch vor, wieder nichts für sich gemacht zu haben.
Alles beginnt mit der Erkenntnis!
Selbstfürsorge ist so wichtig für unsere Gesundheit und Wohlergehen, wie ausreichender Schlaf, Körperhygiene und körperliche Beschwerdefreiheit.
„So schlimm ist das ja gar nicht“, „Ich halte das schon aus“, „Das wird bald irgendwie besser werden“ führen dazu, dass wir solche Defizite als unwichtig deklarieren und keine Verantwortung für die nötigen Veränderungsschritte übernehmen. Der Einsicht und die Erkenntnis zur notwendigen Veränderung folgt dann die persönliche Festlegung der individuellen Selbstfürsorge-Strategien.

Strategien für Ihre Selbstfürsorge
Mit Selbstfürsorge-Strategien beeinflussen Sie psychisches und physisches Wohlbefinden ganz enorm. Dabei gibt es drei Ebenen:
Negatives ausgleichen, z.B. durch Yoga nach einem arbeitsreichen Tag
Selbststeuerung durch Beschränkungen oder Verzicht, z.B. ein Glas selbstgemachter Kräuterlimonade, statt dem Glas Wein zur Entspannung
Positives aufbauen, z.B. durch feste Termine für ein Vollbad oder ein schönes Hörbuch
Häufige Fragen: Glücklich werden
Was ist Selbstfürsorge eigentlich?
Selbstfürsorge bedeutet, gut für sich selbst zu sorgen – körperlich, emotional und mental. Dazu gehören nicht nur Dinge, die guttun und Kraft geben, sondern auch der Verzicht auf das, was dauerhaft schadet. Selbstfürsorge ist kein Luxus, sondern eine Grundlage dafür, gesund, klar und innerlich stabil zu bleiben.
Warum ist Selbstfürsorge so wichtig?
Selbstfürsorge ist wichtig, weil sie Stress reduziert, die mentale Gesundheit stärkt und hilft, Überforderung frühzeitig auszugleichen. Wer gut für sich sorgt, schützt nicht nur das eigene Wohlbefinden, sondern beugt oft auch Erschöpfung, innerer Leere und Burnout vor. Selbstfürsorge ist im Alltag das, was die Sauerstoffmaske im Flugzeug ist: zuerst für Sie.
Warum fällt Selbstfürsorge vielen Menschen so schwer?
Selbstfürsorge fällt vielen schwer, weil sie früh gelernt haben, zuerst für andere da zu sein und die eigenen Bedürfnisse hintenanzustellen. Gerade Menschen mit niedrigem Selbstwert oder starkem Pflichtgefühl empfinden Selbstfürsorge schnell als egoistisch. In Wahrheit ist sie das Gegenteil von Rücksichtslosigkeit: Wer auf sich achtet, kann auch für andere verlässlicher da sein.
Wie kann ich Selbstfürsorge im Alltag umsetzen?
Selbstfürsorge im Alltag beginnt selten mit großen Veränderungen, sondern eher mit kleinen, ehrlichen Schritten. Dazu kann gehören, Pausen ernst zu nehmen, Grenzen zu setzen, ausreichend zu schlafen, regelmäßig zu essen, sich zu bewegen oder bewusst auf Dinge zu verzichten, die Kraft rauben. Entscheidend ist, dass Selbstfürsorge nicht nur ein guter Vorsatz bleibt, sondern einen festen Platz im Alltag bekommt.
Was bringt mir Selbstfürsorge langfristig?
Selbstfürsorge bringt langfristig mehr Lebensenergie, innere Ruhe und ein stabileres Gefühl für die eigenen Grenzen und Bedürfnisse. Sie stärkt die Resilienz, unterstützt einen gesünderen Umgang mit Belastung und fördert einen liebevolleren Blick auf sich selbst. Wer Selbstfürsorge ernst nimmt, lebt meist nicht nur funktionaler, sondern deutlich stimmiger.
Spricht Sie das an?
Helfen Sie auch immer anderen zuerst mit der Sauerstoffmaske, obwohl Ihnen schön längst langsam die Puste ausgeht? Möchten Sie endlich gut für sich sorgen ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben?
Vereinbaren Sie am besten gleich heute ein kostenfreies Vorgespräch damit wir gemeinsam Ihre Hürden beseitigen und Ihr persönliches Selbstfürsorge-Konzept erarbeiten können.
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