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Imposter: Sie sind kein Hochstapler!

Selbstzweifel im Rampenlicht: Das Imposter-Phänomen verstehen


Imposter-Gefühle. Dieses nagende Gefühl, nicht gut genug zu sein. Als hätte man sich in einen Raum geschlichen, in den man gar nicht gehört. Kommt Ihnen das bekannt vor?


Fühlen Sie sich manchmal wie ein Betrüger? Haben Sie Angst, entlarvt zu werden – weil Sie glauben, nicht so kompetent zu sein, wie andere es von Ihnen denken? Denken Sie, dass Ihre Erfolge nur Zufall oder Glück sind?


Hinter all dem steckt oft ein geschwächtes Selbstwertgefühl. Der innere Glaube, nicht zu genügen – trotz nachweislicher Erfolge. Ein Gefühl, das nicht selten aus alten Erfahrungen stammt und sich heute noch in Frage stellt, was längst verdient ist.


Selbstzweifel kennt jeder. Wenn diese Gedanken jedoch dauerhaft in Ihrem Kopf kreisen, lohnt es sich, genauer hinzusehen.





Impostor-Syndrom: Holzbuchstaben formen das Wort Imposter auf einem orange-weißen Hintergrund.
Impostor-Syndrom: Wenn die eigenen Erfolge sichtbar sind – und sich trotzdem nicht echt anfühlen.

Was ist das Imposter Phänomen?


Im Deutschen werden verschiedene Begriffe verwendet: Imposter-Syndrom, Impostor-Syndrom, Imposter-Phänomen oder Hochstapler-Syndrom. Gemeint ist meist dasselbe innere Erleben:


Menschen zweifeln an ihrer Kompetenz, obwohl objektiv vieles für ihre Fähigkeiten spricht. Sie schreiben Erfolge eher Glück, Zufall oder äußeren Umständen zu – und haben gleichzeitig Angst, irgendwann „aufzufliegen“.

 

Das Imposter-Syndrom ist keine medizinische Diagnose im Sinne der ICD-11. Doch nur weil es nicht im Lehrbuch steht, heißt das nicht, dass es harmlos ist – im Gegenteil! Es kann Zufriedenheit, Karriere und persönliche Entwicklung blockieren und zu erhöhtem Stress, Burnout oder sogar Depressionen führen.



Imposter: Sie sind nicht allein!


Das Imposter-Phänomen wurde ursprünglich von den Psychologinnen Pauline Clance und Suzanne Imes beschrieben. Heute zeigen wissenschaftliche Übersichtsarbeiten: Imposter-Gefühle sind weit verbreitet – genaue Zahlen schwanken jedoch stark, je nachdem, wie sie gemessen werden.


Wichtiger als eine einzelne Prozentzahl ist deshalb die Erkenntnis: Viele Menschen kennen dieses Gefühl, trotz sichtbarer Kompetenz innerlich nicht wirklich zu genügen.


Sie leben mit der Angst, „aufzufliegen“ – als hätte man ihnen aus Versehen den Schlüssel zum Erfolg gegeben und würde ihn jeden Moment zurückfordern.


Doch dieses Gefühl ist kein Beweis dafür, dass Sie nicht kompetent sind. Es ist ein Hinweis darauf, wie streng und verzerrt der eigene Blick auf sich selbst manchmal werden kann.


 

Warum entsteht das Imposter-Phänomen?


Menschen mit Imposter-Gefühlen...

  • haben große Selbstzweifel trotz nachweislicher Kompetenz.

  • glauben, ihre Erfolge seien nicht verdient.

  • übersehen eigene Stärken und schreiben Erfolge Glück oder Zufall zu.

  • fürchten, andere zu täuschen und entlarvt zu werden.


Ein wichtiger Mechanismus dabei ist die Art, wie Erfolg und Misserfolg innerlich erklärt werden. Erfolge werden dann nicht als Ergebnis von Fähigkeit, Vorbereitung oder Erfahrung erlebt, sondern eher als Glück, Zufall oder günstiger Umstand. Misserfolge dagegen werden schnell als Beweis persönlicher Unzulänglichkeit gelesen.


So entsteht ein inneres Ungleichgewicht: Was gelingt, zählt nicht richtig. Was misslingt, zählt doppelt.



Kurz gesagt: Sie unterschätzen sich selbst


Das Imposter-Phänomen beschreibt genau dieses innere Missverhältnis: Nach außen gibt es Kompetenz, Erfahrung oder Erfolg – innerlich kommt all das nicht richtig an. Stattdessen bleibt die Sorge, andere könnten irgendwann merken, dass man „eigentlich gar nicht so gut“ ist.


Diese innere Anspannung kann Stress auslösen – mental und körperlich. Manche Menschen reagieren darauf mit übermäßiger Vorbereitung, andere mit Aufschieben, Rückzug oder dem Gefühl, sich ständig neu beweisen zu müssen. Das Imposter-Phänomen betrifft nicht nur Frauen und auch nicht nur Menschen, die nach außen besonders erfolgreich wirken.



Eine zentrale Wurzel: die Angst vor Versagen


Hierzu einige Reflexionsfragen:


  1. Was haben Sie als Kind oder Teenager über Versagen gelernt?

  2. Was bedeutet es einen Fehler zu machen?

  3. Was haben Sie als Kind oder Teenager über Kritik gelernt?

  4. Welche frühen Erinnerungen oder Erlebnisse prägte diese Sichtweise?

  5. Basierend auf diesen Erlebnissen, was haben Sie über sich selbst verinnerlicht?


Kernüberzeugungen über uns entstehen (oft) in der Kindheit und von da an, prägen sie unsere Wahrnehmung. In der Psychologie nennt man das Confirmation Bias. Die Kernüberzeugungen beeinflussen oder verzerren also unsere Wahrnehmung.  



Wen betrifft das Imposter Phänomen also nun konkret?


  • Menschen, die von Menschen erzogen wurden

  • Personen im Umfeld von Organisationen, Kulturen, die Selbstzweifel befeuern

  • Allein arbeitende, alleinstehende Menschen

  • Fremde, in fremden Umgebungen

  • Soziale Gruppen (Frauen, People of Color, etc)

  • Traditionsbrecher (z.B. der erste Studierende in einer Nicht-Akademiker-Familie)

  • Personen in Phasen des Übergangs

  • Menschen, die regelmäßig bewertet oder getestet wurden – ob in Schule, Studium oder Beruf. 



Welche Auswirkungen hat das Imposter Syndrom auf Psyche und Gesundheit?


Im Folgenden sind die Auswirkungen des Imposter Phänomens zusammengefasst:


  • Negatives Selbstbild und geringer Selbstwert

  • Zunahme negativer Gedanken und Gefühle

  • Dauerhaft reduziertes Wohlbefinden

  • Dauerhaft erhöhtes Stresslevel

  • Schlechte psychische und physische Verfassung 


Durch all diese Faktoren ein gesteigertes Risiko für Angststörungen, Depression und Burnout. Zudem führt das Imposter Phänomen im beruflichen Kontext dazu, dass wir unser Potential nicht ausschöpfen. Dies zeigt sich zum Beispiel in geringer Arbeitszufriedenheit, weniger Karriereplanung, geringerem Karrierestreben und Spannungen mit Vorgesetzten und Kollegen.



Impostor Cycel – der Imposter Kreislauf (nach Clance und Imes)


-> Fordernde Situation (außerhalb der Komfortzone) 

-> Selbstzweifel, Angst vor Versagen, Sorge Aufgabe nicht gerecht zu werden 

-> Übermäßige Vorbereitung ODER Prokrastination 

-> kurzes Gefühl der Erleichterung 

-> Abwertung des Lobs, Negierung des Erfolgs 

-> Hochstapler-Gefühle, gesteigerte Selbstzweifel, noch mehr Angst 



Die Imposter Typen nach V. Young


Perfektionist

Der Perfektionist muss alles perfekt und mindestens 100% richtig machen

Sie können nicht alles allein und perfekt und immer richtig machen. Wir sind alle Menschen. Wir können nicht alles immer perfekt und fehlerfrei erledigen. Fehler sind menschlich und ohne Fehler würden wir viel weniger lernen. Oder konnten Sie als Kind gleich mit dem ersten Schritt perfekt gehen?



Natürliches Genie

Das natürliche Genie glaubt, dass Intelligenz und Kompetenz ganz natürlich in ihm sind

Jeder von uns hat Stärken und Schwächen. Talente sind uns angeboren und können durch Übung gefestigt werden. Manches fällt uns einfach leicht. Aber eben nicht alles.



Experte

Der Expert glaubt, er müsse alles können

Ein Experte hat ein Spezialgebiet, kein Mensch kann und muss alles können.



Individualist

Der Individualist glaubt, er muss alles allein können

Wir Menschen sind soziale Wesen. Wir haben nur überlebt, weil wir uns gegenseitig geholfen, uns geschützt und unterstützt haben.



Super-Person

Die Super-Person jongliert viele Bälle

Sie hetzen und jagen allen Terminen und Verpflichtungen hinterher. Ihr Terminkalender ist voll und es gibt Entspannung nur mit Termin. Nehmen Sie den Fuß vom Gas und überlegen Sie, ob Sie wirklich all die vielen Dinge handeln können müssen, oder ob es nicht einfach zu viele Aufgaben sind.


Es ist nichts falsch daran, immer sein Bestes zu geben. ABER: das dauerhafte Erwarten alles zu können und zu wissen ist unrealistisch und macht krank! 




Häufige Fragen zum Imposter-Phänomen


Mit Imposter ist meist das sogenannte Imposter Syndrom gemeint – auch Impostor-Syndrom oder Hochstapler-Syndrom genannt. Viele Betroffene erleben ihre Erfolge nicht als verdient, sondern schreiben sie eher Glück, Zufall oder äußeren Umständen zu. Dahinter steckt oft nicht mangelnde Fähigkeit, sondern ein geschwächter Selbstwert und ein verzerrter Blick auf sich selbst.

Typisch ist, dass Sie trotz sichtbarer Leistungen immer wieder denken: Eigentlich kann ich das gar nicht richtig, irgendwann merkt jemand, dass ich nicht gut genug bin oder mein Erfolg war nur Zufall. Viele Menschen mit Imposter-Gefühlen bereiten sich übermäßig vor, zweifeln ständig an sich, werten Lob ab oder erleben Erleichterung nur sehr kurz, bevor die Selbstzweifel wieder einsetzen.

Nein. Das Imposter-Phänomen ist keine offizielle medizinische Diagnose im Sinne eines Krankheitsbildes. Trotzdem kann es sehr belastend sein und sich deutlich auf Wohlbefinden, Selbstwert, Stresslevel, berufliche Entwicklung und psychische Gesundheit auswirken. Nicht alles, was nicht im Diagnosemanual steht, ist harmlos — und genau das gilt hier.

Imposter-Gefühle entstehen oft aus frühen Erfahrungen mit Kritik, Leistung, Fehlern, Bewertung und Versagen. Viele Menschen haben irgendwann verinnerlicht, dass sie nur dann genügen, wenn sie besonders gut, fehlerfrei oder unangreifbar sind. Solche alten Überzeugungen wirken später weiter und färben die Wahrnehmung: Erfolge werden kleingeredet, Unsicherheit wird überbewertet.

Imposter-Gefühle können viele Menschen betreffen, besonders häufig zeigen sie sich bei Menschen in Übergangsphasen, bei Personen in leistungsorientierten Umfeldern, bei Menschen mit viel Selbstkritik, bei Traditionsbrechern oder bei Personen, die sich in bestimmten Kontexten als „fremd“ erleben. Auch Frauen sind davon oft betroffen, aber eben nicht nur. Entscheidend ist weniger die Außenwirkung als das innere Erleben von Nicht-genügen.




Fazit: Imposter-Gefühle ernst nehmen, ohne ihnen alles zu glauben


Imposter-Gefühle verschwinden nicht dadurch, dass Sie noch mehr leisten, sich noch besser vorbereiten oder sich noch stärker anstrengen.


Oft beginnt Veränderung dort, wo Sie Ihre Erfolge realistischer betrachten. Wo Sie Lob nicht sofort wegschieben. Wo Sie den inneren Kritiker nicht mehr automatisch für die Wahrheit halten.

Sie müssen nicht perfekt sein, um kompetent zu sein.


Und Sie müssen sich Ihren Platz nicht jeden Tag neu verdienen.


Wenn Sie merken, dass Selbstzweifel, Leistungsdruck oder die Angst, „aufzufliegen“, viel Raum einnehmen, kann es hilfreich sein, genauer hinzuschauen.


In meiner psychologischen Beratung online unterstütze ich Menschen dabei, die offenen Tabs im Kopf zu sortieren – und zu schließen, was Kraft kostet.


Für mehr innere Klarheit, Selbstführung und eine liebevollere Verbindung mit sich selbst.

Wenn Sie sich darin wiedererkennen, können wir in einem kostenfreien Vorgespräch gemeinsam schauen, was Sie gerade brauchen – und ob mein Angebot für Sie passend ist.







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Quellen & Inspirationen:

Clance, P. R. & Imes, S. A. (1978): The Impostor Phenomenon in High Achieving Women: Dynamics and Therapeutic Intervention. Psychotherapy: Theory, Research & Practice.

Bravata, D. M. et al. (2020): Prevalence, Predictors, and Treatment of Impostor Syndrome: A Systematic Review. Journal of General Internal Medicine.

Young, V.: The 5 Types of Impostor Syndrome. Impostor Syndrome Institute.

Vincent, K.: Overcoming Imposter Syndrome. The Great Courses / Audible Originals, 2023.

Praxis Kommunikation 04/2025: Fachliche Impulse zu Imposter, Perfektionismus, People Pleasing, Selbstwert und dem Gefühl, nicht genug zu sein.







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