Stress und Burnout am Arbeitsplatz - ein modernes Problem
- Stefanie Heß

- 12. Sept. 2023
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 8. Dez. 2025
Stress und Burnout am Arbeitsplatz – Die psychologische Herausforderung unserer Zeit
Stress und Burnout am Arbeitsplatz – wenn innere Erschöpfung nach außen sichtbar wird.

Auf den ersten Blick wirken diese Phänomene oft wie persönliche Probleme, abhängig von der Belastbarkeit des Einzelnen.
Aber ist das wirklich so? Waren oder sind Sie selbst betroffen? Oder fragen Sie sich manchmal, ob die Arbeit uns krank macht – oder ob wir einfach zu empfindlich geworden sind?
Aus meiner Erfahrung sind Stress und Burnout weit mehr als individuelle Schicksale. Sie sind Ausdruck einer Arbeitskultur, die immer schneller, dichter und lauter geworden ist – und in der viele Menschen den Kontakt zu sich selbst verlieren.
Mehr Balance beginnt mit Klarheit.
Stress und Burnout: Mehr als persönliche Schwächen
Wenn Klienten wegen Stress oder Burnout zu mir in die psychologische Beratung online kommen, stellen sie sich häufig selbst in Frage. Sie halten sich für zu schwach oder psychisch instabil. Und auch gesellschaftlich wird Stress meiner Erfahrung nach zu oft als reine Frage der Resilienz oder der persönlichen Fähigkeit zur Stressbewältigung betrachtet. Doch das greift zu kurz.
Ich erlebe Menschen, die unter chronischem Stress oder Burnout leiden, nicht als „schwächer“ oder weniger engagiert. Im Gegenteil: Ihre Erschöpfung spiegelt meist die Bedingungen wider, unter denen sie arbeiten – Zeitdruck, ein Zuviel an Aufgaben, fehlende Wertschätzung, unsichere Arbeitsverhältnisse und ständige Erreichbarkeit. Ein Umfeld, das die psychische Gesundheit vieler Menschen schlicht überfordert.
Die wachsende Bedeutung psychischer Gesundheit am Arbeitsplatz
Meinen Sie nicht auch, dass die Bedeutung psychischer Gesundheit am Arbeitsplatz stetig wächst?Sie täuschen sich nicht. Chronischer Stress und Burnout sind längst keine Randthemen mehr – sie betreffen Menschen in allen Positionen und Branchen.
Studien zeigen, dass anhaltender Druck im Job nicht nur zu körperlicher, sondern auch zu psychischer Erschöpfung führen kann, die in einem Burnout gipfelt. Laut einer Umfrage der KKH fühlt sich fast die Hälfte der Arbeitnehmer häufig stark belastet.
Psychische Belastungen wie Stress hemmen nicht nur Produktivität und Kreativität, sondern kosten Unternehmen viel Geld. Fehlzeiten, Kündigungen und die Kosten für die Rekrutierung neuer Fachkräfte belasten Organisationen – während die Lebensqualität der Betroffenen massiv leidet.
Aus meiner Sicht lässt das nur einen Schluss zu:
Der Schutz der psychischen Gesundheit ist nicht nur ethisch geboten, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll.
Warum Stress und Burnout am Arbeitsplatz systemische Probleme sind
Wenn Sie unter Stress oder gar einem Burnout leiden, dann geht es Ihnen wie vielen meiner Klienten. Oft wird das als persönliche Herausforderung wahrgenommen – als etwas, das man selbst „besser in den Griff bekommen“ müsste. Doch die wahren Ursachen liegen tiefer: Sie sind fest in die Strukturen und Kulturen vieler Unternehmen eingebettet.
Gestiegene Arbeitsbelastungen, überhöhte Anforderungen bis hin zur Überforderung,
fehlende Unterstützung durch Führungskräfte,
eine kühle oder toxische Unternehmenskultur,
fehlende gesundheitliche Prävention,
möglicherweise sogar Mobbing,
und die Erwartung ständiger Erreichbarkeit
bringen viele Menschen an ihre Belastungsgrenze.
Diese Faktoren betreffen also nicht nur einzelne Beschäftigte – sie zeigen, dass das System selbst Schwächen hat.
Besonders problematisch ist das Ungleichgewicht zwischen Anforderungen und Ressourcen: Wer dauerhaft mehr leisten muss, als er Zeit zur Regeneration hat, wird zwangsläufig erschöpft. Und das liegt nicht an persönlichem Versagen – sondern an Arbeitsbedingungen, die überfordern.
Lesetipp: Stress verstehen und bewältigen
Wenn Sie das Thema Stress vertiefen möchten, finden Sie in meinem Magazin weitere Beiträge:
Zeit für einen Kurswechsel
Die Lösung kann also nicht in der Verantwortung der Betroffenen liegen, sondern braucht einen grundlegenden Wandel: Unternehmen müssen Verantwortung übernehmen und Arbeitsbedingungen schaffen, die nicht krank machen.
Das bedeutet:
– realistische Zielsetzungen,
– faire Arbeitszeiten und
– eine Unternehmenskultur, die auf gegenseitige Unterstützung und Wertschätzung baut.
Es braucht das Bewusstsein, dass Gesundheit keine Option, sondern die Grundlage für langfristigen Erfolg ist. Denn was bringen erschöpfte oder kranke Mitarbeitende einem Unternehmen?
Aus meiner Sicht ist es auch an der Zeit, dass wir uns als Gesellschaft fragen, wie wir Arbeit definieren. Nicht selten erlebe ich in meiner Praxis, dass sich Menschen nur wertvoll fühlen, wenn sie leisten. Doch was macht den Wert eines Menschen in unserer Gesellschaft wirklich aus?
Auch wenn Sie es gerade so erleben: Stress und Burnout sind keine Einzelschicksale. Sie sind Warnsignale eines Systems, das wir neu denken müssen – hin zu einer Arbeitswelt, die den Menschen wieder in den Mittelpunkt stellt.
Nur so können wir eine Zukunft gestalten, in der Arbeit nicht krank macht, sondern Kraftquelle sein darf.
Konkrete Lösungen: Stress und Burnout am Arbeitsplatz nachhaltig bekämpfen
Stress und Burnout am Arbeitsplatz sind keine Herausforderungen, die sich schnell mit einem einzigen Ansatz lösen lassen. Vielmehr erfordern sie ein breites Spektrum an Maßnahmen, die individuell auf Unternehmen und Mitarbeitende abgestimmt sind. Hier ein paar Gedanken, wie präventive Ansätze aussehen können:
1. Präventive Maßnahmen – Stress und Burnout am Arbeitsplatz von Anfang an vermeiden
Vorsicht ist besser als Nachsicht – das wusste schon meine Oma. Der beste Weg, Stress und Burnout am Arbeitsplatz zu bekämpfen, ist, ihre Entstehung von Beginn an zu verhindern. Hier liegt die Verantwortung bei Unternehmen und Führungskräften, die durch präventive Strategien eine gesunde Arbeitsumgebung schaffen können:
– Gesunde Arbeitszeiten: Vertrauensvoll gestaltete, flexible Modelle und die Möglichkeit, Überstunden abzubauen, fördern die Balance zwischen Arbeit und Privatleben.
– Stressbewältigungstrainings: Schulungen zu Themen wie Resilienz, Zeitmanagement und Entspannungstechniken geben Mitarbeitenden Werkzeuge an die Hand, um besser mit Belastungen umzugehen.
– Externe psychologische Unterstützung: Fachkundige Begleitung durch psychologische Beratung online, Coaches oder Therapeuten, die Mitarbeitende und Führungskräfte durch berufliche oder private Herausforderungen begleiten.
Mein Angebot in einem solchen Rahmen umfasst unter anderem:
– Gespräche und Reflexion über individuelle Stresssituationen
– Identifikation persönlicher Stressfaktoren (innere Antreiber, Gedanken, Stressoren)
– Individuelles Stressmanagement
– Maßnahmen zum Stressabbau
– Burnout-Prävention
– Angebote zum Erlernen verschiedener Entspannungstechniken
– Kurzzeit-Coachings (z. B. Wingwave, Gespräche u. a.)
– Bearbeitung spezifischer Belastungen
Wichtig: Für Arbeitgeber und Mitarbeitende gilt in jedem Fall: Alles, was in diesem Rahmen besprochen wird, unterliegt der Vertraulichkeit und dient ausschließlich der Gesundheit und Stabilität des Einzelnen.
2. Die Schlüsselrolle der Führungskräfte
Führungskräfte haben einen entscheidenden Einfluss darauf, wie sich Stress und Burnout am Arbeitsplatz entwickeln – und wie sie sich auf die Mitarbeitenden auswirken. Ihr Verhalten kann belastend oder entlastend, erschöpfend oder stärkend wirken. Darum ist es wichtig, sie entsprechend auszuwählen, zu schulen und zu sensibilisieren.
– Offene Kommunikation fördern: Unter offener Kommunikation verstehe ich ein Klima des Vertrauens, in dem sich Mitarbeitende ohne Angst vor Konsequenzen an ihre Vorgesetzten wenden können – bei Bedarf auch über externe psychologische Beratung online.
– Vorbildfunktion leben: Gesunde Führung bedeutet, das vorzuleben, was man erwartet. Führungskräfte sollten sich ihrer Vorbildrolle bewusst sein. Sie machen Pausen, setzen erreichbare Ziele und leben eine gesunde Balance zwischen Leistung und Erholung.
– Konflikte konstruktiv lösen: Ebenso wichtig wie die Erreichung von Zielen ist die Fähigkeit, Konflikte frühzeitig zu erkennen und konstruktiv zu moderieren. Gut geschulte Führungskräfte schaffen Raum für Klarheit, Vertrauen und respektvolle Zusammenarbeit.
3. Stress und Burnout am Arbeitsplatz - gezielte Gesundheitsangebote
Einen aktiven Beitrag zur physischen und psychischen Gesundheit leisten gezielte Gesundheitsangebote, die Stress vorbeugen und Erholung fördern. Dazu gehören zum Beispiel:
– Betriebliche Gesundheitsförderung: Angebote wie Yoga, Meditation oder regelmäßige Bewegung am Arbeitsplatz helfen, Stress abzubauen und das körperliche Wohlbefinden zu stärken.
– Beratungsstellen schaffen: Ein einfacher Zugang zu psychologischer Beratung online – ob intern oder extern – kann dazu beitragen, Burnout frühzeitig zu erkennen und professionell zu begleiten.
– Digital Detox fördern: Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass Mitarbeitende außerhalb der Arbeitszeiten wirklich abschalten können. Klare Richtlinien zur Erreichbarkeit entlasten Teams spürbar und fördern eine gesunde Work-Life-Balance.
4. Gesellschaftliche Perspektiven: Arbeit neu denken
Neben den unternehmensinternen Maßnahmen braucht es auch ein gesellschaftliches Umdenken. Wir sollten uns fragen, ob die heutige Definition von Erfolg und Leistung überhaupt noch zeitgemäß ist – oder ob sie uns immer wieder in denselben Kreislauf aus Druck, Erschöpfung und Selbstentfremdung führt.
Ein kultureller Wandel beginnt dort, wo wir Arbeit nicht länger über den Menschen stellen, sondern den Menschen wieder in den Mittelpunkt von Arbeit.
5. Individuelle Strategien gegen Stress und Burnout am Arbeitsplatz
Neben den strukturellen Problemen und der Notwendigkeit, diese unternehmerisch und gesellschaftlich zu lösen, liegt auch im individuellen Handeln ein wichtiger Schlüssel: Jeder Mensch kann durch bewusste Maßnahmen seine Resilienz stärken und damit besser mit Stress und Belastung umgehen.
– Grenzen setzen: „Nein“ zu sagen, wenn die Belastung zu groß wird, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck von Selbstfürsorge und Klarheit.
– Achtsamkeit üben: Regelmäßige Achtsamkeitsübungen, Meditation oder Tagebuchschreiben helfen, Gedanken zu ordnen und Stress abzubauen.
– Verbindungen pflegen: Der Austausch mit Kollegen, Freunden oder vertrauten Menschen über Herausforderungen im Alltag wirkt entlastend und stärkt das Gefühl von Verbundenheit.
Eine neue Arbeitskultur gestalten
Stress und Burnout am Arbeitsplatz sind mehr als individuelle Herausforderungen – sie sind ein Spiegel der Arbeitskultur, in der wir leben. Die Lösung liegt nur im Miteinander. Unternehmen, Führungskräfte und Mitarbeitende sind gleichermaßen gefordert, Wege zu finden, die nachhaltige Veränderungen bewirken.
Solange wir Stress und Burnout nur auf Symptom-Ebene behandeln, beseitigen wir nicht die Ursachen. Arbeit darf nicht krank machen.
Und: Wenn Arbeit krank macht, ist es Zeit, neu zu denken – und für sich zu sorgen.
Tipp:
Finden Sie weitere kostenfreie Materialien und Impulse auf der Seite Klarheit zum Mitnehmen – für mehr innere Ruhe, Balance und Selbstführung im Alltag.
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