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Lebensfreude wiederfinden, wenn sich alles farblos anfühlt

16. Feb.
8 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 1 Tag

Eine Person steht im Meer und hebt beide Arme; Sonnenlicht spiegelt sich auf der Wasseroberfläche.
Lebensfreude lässt sich nicht bestellen. Ein Anfang darf trotzdem klein sein.

Vielleicht haben Sie endlich einen freien Nachmittag. Kein Termin drängt, niemand braucht sofort eine Antwort. Sie machen Musik an, die Sie früher gern gehört haben – und merken, dass sie Sie kaum erreicht.


Es ist Zeit da, aber keine Vorfreude. Vielleicht fragen Sie sich: „Warum fühlt sich gerade selbst das, was mir guttat, so weit weg an?“


Lebensfreude lässt sich nicht als weiterer Punkt auf die To-do-Liste setzen.

Erschöpfung, Trauer, Einsamkeit oder das Gefühl, im eigenen Leben festzustecken, können eine Rolle spielen. Auch depressive Beschwerden sind möglich. Dieser Beitrag gibt Ihnen kleine Anregungen für den Alltag, ohne vorauszusetzen, dass Sie sich damit aus eigener Kraft wieder Freude verschaffen müssen.


Wenn Ihnen über Wochen kaum noch etwas Freude macht oder Ihr Alltag deutlich beeinträchtigt ist, lassen Sie die Beschwerden ärztlich oder psychotherapeutisch abklären. Sie müssen vorher nicht selbst herausfinden, ob eine Depression dahintersteckt. Eine erste Einordnung finden Sie auf der Seite Depression & depressive Verstimmung.


Die Impulse weiter unten können Sie in Ruhe für sich prüfen. Wenn Sie lieber mit einem Gespräch beginnen oder sich dabei begleiten lassen möchten, klären wir in einem kostenfreien Vorgespräch, ob meine psychologische Beratung für Ihre Situation passt.





Manchmal fehlt nicht nur die Freude. Vielleicht fühlt sich vieles innerlich leer an, oder Sie merken: „Ich funktioniere, aber ich weiß gerade nicht mehr, was mir eigentlich wichtig ist.“ Wenn sich Ihr Erleben eher wie innere Leere anfühlt, finden Sie auf der Seite Innere Leere eine Einordnung möglicher Zusammenhänge. Geht es vor allem um die Frage, wohin es für Sie weitergehen soll, hilft die Seite Orientierungslosigkeit, Sinnfragen & Feststecken weiter.



Lebensfreude wiederfinden: Was Selbstführung damit zu tun hat


Selbstführung heißt nicht, sich zusammenzureißen. Wenn Sie sich ohnehin erschöpft fühlen, kann selbst „Ich muss wieder mehr Schönes machen“ wie die nächste Aufgabe klingen, die Sie nicht schaffen. Hilfreicher kann es sein, wahrzunehmen, was gerade Kraft kostet und was zu Ihrer heutigen Kraft passt.


Dabei können drei Fragen eine Richtung geben:


  • Wo mache ich mir zusätzlich Druck? Vielleicht verurteilen Sie sich dafür, dass Sie sich über etwas nicht freuen können.

  • Was zieht mir dauerhaft Kraft? Manchmal braucht es erst Entlastung, bevor wieder Raum für anderes entsteht.

  • Was ist mir wichtig und was brauche ich gerade? Eine Grenze, einen Kontakt oder schlicht einen ruhigeren Nachmittag.


Auch Unterstützung anzunehmen kann ein Schritt guter Selbstführung sein.


Ein Beispiel aus der Praxis

Eine Klientin sagte im Erstgespräch: „Ich fühle mich wie hinter Glas.“ Sie lachte an den passenden Stellen und erledigte ihren Alltag. Nach außen wirkte vieles unauffällig; für sie selbst fühlte sich das Leben gedämpft an. Besonders bedrückte sie der Gedanke: „Ich habe Angst, dass ich so bleibe.“


Sich zu mehr schönen Unternehmungen zu drängen, hatte ihr zusätzlichen Druck gemacht.


Hilfreicher war für sie, zunächst zu sortieren: Was erschöpft mich? Wo ist Entlastung möglich? Und welcher kleine Schritt passt überhaupt zu meiner Kraft? Das brachte die Freude nicht auf Knopfdruck zurück. Es gab ihr aber eine Möglichkeit, anders mit ihrer Situation umzugehen.


Wenn bei Ihnen nicht nur Freude, sondern auch andere Gefühle weit weg wirken, hilft der Beitrag Ich fühle nichts mehr – wenn Gefühle wie abgeschaltet sind beim genaueren Einordnen.


Die folgenden Impulse greifen solche Ansatzpunkte auf. Sie sind eine Auswahl, keine Checkliste.




Lebensfreude wiederfinden: 11 Impulse für schwere Tage


Die Impulse setzen an verschiedenen Stellen an: bei Gedanken, Kraft, Körper, Kontakt und dem, was Ihnen wichtig ist. Sie dürfen zu dem Punkt springen, der Sie gerade anspricht. Wenn Sie lieber mit einem einzigen kleinen Anfang beginnen möchten, finden Sie unter der Liste drei Fragen für einen schweren Tag.


1. Benennen, was gerade da ist

Sie stehen morgens im Bad. Der Körper fühlt sich schwer an, und noch bevor der Tag begonnen hat, meldet sich der Gedanke: „So kann ich doch nicht weitermachen.“


Versuchen Sie zunächst, nur zu beschreiben, was Sie bemerken: „Ich bin heute erschöpft.“ Oder: „Im Moment fühlt sich vieles farblos an.“ Damit ist noch nichts gelöst. Aber Sie nehmen ernst, wie es Ihnen geht, statt sofort dagegen anzukämpfen.


2. Tatsachen von Selbsturteilen trennen

Vielleicht liegt seit gestern eine unbeantwortete Nachricht auf Ihrem Handy. Die Tatsache ist: Sie haben noch nicht geantwortet. Der innere Kommentar lautet womöglich: „Ich bin unzuverlässig. Nicht mal das kriege ich hin.“


Beides klingt im Kopf schnell wie ein einziger Satz. Trennen Sie es einmal: „Die Nachricht ist noch offen. Ich hatte bisher keine Kraft dafür.“ Danach können Sie überlegen, ob heute eine kurze Antwort möglich ist. Ein unerledigter Schritt ist kein Urteil über Sie als Mensch.


3. Nach dem nächsten kleinen Schritt fragen

Vor Ihnen steht die Küche, und schon der Gedanke ans Aufräumen macht Sie müde. Dann muss die Frage nicht lauten: „Wie schaffe ich heute alles?“ Versuchen Sie es mit: „Was würde die nächste Stunde ein kleines bisschen leichter machen?“


Vielleicht ist es ein Glas Wasser, drei Minuten am offenen Fenster oder ein Teller, den Sie wegräumen. Der Schritt muss Ihren Tag nicht verändern. Es reicht, wenn er jetzt machbar ist.


4. Einen offenen Tab verkleinern

Manche Dinge laufen im Kopf weiter wie offene Tabs im Browser: die unbeantwortete Mail, der Termin, den Sie vereinbaren wollten, das Gespräch, vor dem Sie sich drücken. Jeder einzelne braucht ein wenig Aufmerksamkeit.


Sie müssen nicht alle Tabs heute schließen. Wählen Sie einen aus. Vielleicht schreiben Sie die Mail. Vielleicht notieren Sie nur, wen Sie wegen des Termins anrufen möchten. Und manchmal ist der passende Schritt, jemanden um Hilfe zu bitten. Wenn sich Ihr gesamter Alltag wie eine Ansammlung solcher offenen Tabs anfühlt, finden Sie auf der Seite Stress, Erschöpfung & Burnout eine breitere Einordnung.


Wenn Sie dabei vor allem das Gefühl haben, nur noch Aufgaben abzuarbeiten, betrachtet der Beitrag Ich funktioniere nur noch – wenn der Alltag zum Pflichtprogramm wird diesen Alltag genauer.


5. Eine Grenze setzen, die Kraft schützt

Jemand fragt, ob Sie noch etwas übernehmen können. Sie merken, dass Ihre Kraft dafür nicht reicht, und hören sich trotzdem „Klar, mache ich“ sagen.


Eine Grenze kann klein und freundlich sein: „Heute schaffe ich das nicht.“ Oder: „Ich kann Ihnen morgen sagen, ob es geht.“ Sie müssen dafür keine große Erklärung liefern. Wenn Ihnen solche Sätze schwerfallen, finden Sie auf der Seite Grenzen setzen weitere Beispiele.


6. Sichtbar machen, was Sie getan haben

Abends fallen oft zuerst die Dinge auf, die liegen geblieben sind. Der Anruf. Die Wäsche. Der Spaziergang, den Sie sich vorgenommen hatten.


Schreiben Sie daneben einen einzigen wahren Satz: „Ich habe heute geduscht.“ Oder: „Ich habe die Post geöffnet.“ Vielleicht lautet er auch: „Ich habe gemerkt, dass ich eine Pause brauche, und sie mir genommen.“ Sie müssen darauf nicht stolz sein oder sich sofort besser fühlen. Es geht darum, den Tag etwas vollständiger zu sehen.


7. Über die Sinne einen Moment im Jetzt finden

Wenn der Kopf viel beschäftigt ist, kann es guttun, für einen Moment etwas Konkretes wahrzunehmen: warmes Wasser an den Händen, den Boden unter den Füßen, den Geruch von Kaffee oder den Wind am offenen Fenster.


Sie müssen dabei nichts Besonderes fühlen. Vielleicht merken Sie nur: „Das Wasser ist warm.“ Auch das ist eine Wahrnehmung. Falls diese Art von Übung Sie unruhiger macht, lassen Sie sie weg und wählen Sie einen anderen Impuls.


8. Angenehme Momente zulassen, ohne sie zu prüfen

„Machen Sie doch etwas Schönes“ kann ziemlich hohl klingen, wenn Sie seit Wochen kaum Freude spüren. Vielleicht nehmen Sie trotzdem etwas Kleines wahr: Licht auf dem Küchentisch, einen vertrauten Geschmack oder drei Minuten mit einem Buch. Vielleicht erreicht es Sie heute auch nicht.


Machen Sie daraus keine Prüfung mit der Frage: „Freue ich mich jetzt endlich?“ Ein angenehmer Moment darf klein sein und neben schweren Gefühlen bestehen. Gerade nach einem Verlust gibt es keinen Zeitplan dafür, wann sich Freude wieder zeigen sollte. Wenn Trauer bei Ihnen im Vordergrund steht, finden Sie auf der Seite Trauer & Verlust eine passendere Einordnung.


9. Sich an dem orientieren, was Ihnen wichtig ist

Manchmal fehlt nicht nur Freude, sondern auch das Gefühl: „Das hier hat etwas mit mir zu tun.“ Dann können Ihre Werte eine Richtung geben, selbst wenn sich im Moment wenig gut anfühlt.


Wenn Ihnen Verbundenheit wichtig ist, könnte ein kleiner Schritt eine Nachricht an einen vertrauten Menschen sein. Wenn Sie Ruhe vermissen, vielleicht eine Viertelstunde ohne Erreichbarkeit. Beides muss sich nicht sofort erfüllend anfühlen. Es darf zunächst einfach zu dem passen, was Ihnen wichtig ist. Mehr zur Arbeit mit Werten lesen Sie im Beitrag Selbstcoaching: Vision, Ressourcen und Werte.


10. Den inneren Antreiber bemerken

Ein Teil von Ihnen möchte sich ausruhen. Ein anderer sagt: „Wenn du jetzt Pause machst, bist du faul.“ Schon wird selbst Erholung zur Verhandlungssache.


Sie müssen diese innere Stimme nicht zum Schweigen bringen. Vielleicht reicht es, sie zu erkennen: „Da ist wieder mein Antreiber.“ Dann können Sie entscheiden, ob Sie ihm heute folgen möchten. Zehn Minuten Pause sind keine Kapitulation; manchmal sind sie schlicht Betriebssystempflege. Wie solche inneren Regeln Druck erzeugen können, erklärt der Beitrag Innere Antreiber.


11. Kontakt und Unterstützung zulassen

Wenn jemand fragt, wie es Ihnen geht, ist „Alles gut“ oft schneller gesagt als die Wahrheit. Vielleicht wäre heute ein kleinerer, ehrlicherer Satz möglich: „Es ist gerade ziemlich zäh. Hätten Sie diese Woche Zeit für einen Spaziergang?“


Nicht jeder hat einen Menschen, dem er das sagen mag. Wenn das Gefühl fehlender Verbindung bei Ihnen im Vordergrund steht, finden Sie auf der Seite Einsamkeit weitere Orientierung. Manchmal fehlen auch nicht Kontakte, sondern das Gefühl, für andere wirklich zu zählen. Darum geht es im Beitrag Mattering: Das Gefühl, bedeutsam zu sein. Unterstützung kann auch bedeuten, einen Termin in der Hausarztpraxis zu vereinbaren, wenn die Freudlosigkeit anhält. Hilfe anzunehmen ist ebenfalls ein Schritt.




Drei Fragen für einen schweren Tag



3 Minuten zum Sortieren


1) Stopp: Was ist gerade wirklich los? (ein ehrlicher Satz)


2) Freundlichkeit: Was würde ich meinem besten Freund jetzt sagen?


3) Ein Schritt: Was ist heute der kleinste Schritt, der mir 5% mehr Luft macht?




Sie müssen nicht alle drei Fragen beantworten. Vielleicht ist heute nur ein ehrlicher Satz möglich:


„Ich bin erschöpft.“ Ein kleiner nächster Schritt könnte sein, ein Glas Wasser zu trinken, zwei Minuten ans Fenster zu treten oder einem vertrauten Menschen eine Nachricht zu schreiben.


Lebensfreude lässt sich nicht befehlen. Manchmal entsteht zuerst nur ein wenig mehr Luft im Tag. Auch das darf zählen.


Wenn Sie Ihre Gedanken lieber schriftlich sortieren möchten, finden Sie auf der Seite Klarheit zum Mitnehmen den kostenfreien Klarheits-Check zum Herunterladen. Damit können Sie festhalten, was Sie gerade beschäftigt, und überlegen, was heute dran ist – und was warten darf.




Häufige Fragen, wenn die Lebensfreude fehlt


Dafür gibt es nicht die eine Erklärung. Erschöpfung, Trauer, Einsamkeit, anhaltender Stress oder depressive Beschwerden können eine Rolle spielen; manchmal kommt mehreres zusammen. Vielleicht erledigen Sie weiterhin alles Nötige, aber selbst vertraute Dinge erreichen Sie kaum noch. Aus diesem Gefühl allein lässt sich nicht erkennen, was bei Ihnen dahintersteht. Es zeigt jedenfalls nicht, dass Sie sich zu wenig Mühe geben.

Nein. Auch nach einem Verlust oder in einer belastenden Lebensphase kann Freude gedämpft sein. Anhaltende Interessen- oder Freudlosigkeit gehört allerdings zu den wichtigen Anzeichen einer Depression. Ob eine Erkrankung vorliegt, lässt sich nicht aus einem einzelnen Symptom oder einem Blogbeitrag bestimmen. Wenn Sie sich darin wiedererkennen, ist eine fachliche Abklärung sinnvoll.

Ja. Sie können arbeiten, Nachrichten beantworten und für andere da sein – und abends trotzdem das Gefühl haben, innerlich kaum noch etwas zu spüren. Dass Sie Aufgaben bewältigen, sagt wenig darüber, wie es Ihnen dabei geht. Nehmen Sie die Veränderung ernst, auch wenn von außen niemand etwas bemerkt.

Dann haben Sie nichts falsch gemacht. Ein kurzer Spaziergang, eine Pause oder ein freundlicherer Gedanke lösen nicht jede Belastung. Vielleicht brauchen Sie gerade vor allem Entlastung, ein Gespräch oder fachliche Unterstützung. Die Impulse können Ihnen helfen, etwas zu beobachten oder einen ersten Schritt zu finden; sie sind kein Test, den Sie bestehen müssen.

Wenn Ihnen über etwa zwei Wochen häufig Interesse oder Freude fehlen, weitere Beschwerden hinzukommen oder Ihr Alltag deutlich schwerer wird, wenden Sie sich an Ihre Hausarztpraxis oder eine psychotherapeutische Praxis. Sie dürfen auch früher Hilfe suchen, wenn Sie sich Sorgen machen. Sie brauchen dafür keine fertige Erklärung und keine Selbstdiagnose.




Wenn Sie Ihre Situation gemeinsam sortieren möchten


Vielleicht war einer der Impulse hilfreich. Vielleicht war es heute schon genug, bis hierher zu lesen. Lebensfreude ist keine Hausaufgabe, die Sie mit genügend Disziplin erledigen müssen.


Wenn Sie herausfinden möchten, was Ihnen gerade Kraft nimmt und welche Unterstützung zu Ihnen passt, können wir das in einem kostenfreien Vorgespräch gemeinsam sortieren. Dabei klären wir auch, ob psychologische Beratung für Ihre Situation der passende Rahmen ist.


Wenn die Freudlosigkeit anhält oder Sie eine Depression vermuten, lassen Sie die Beschwerden ärztlich oder psychotherapeutisch abklären. Meine Beratung ersetzt eine Behandlung bei Depression nicht.






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Quellen & Inspirationen

Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention: Tipps für den Alltag.









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