Perfektionismus: Wenn gut nie gut genug ist
Aktualisiert: 6. Okt.
Perfektionismus beginnt selten mit dem Satz: „Ich will perfekt sein.“
Er klingt meistens viel vernünftiger:
„Ich schaue nur noch einmal drüber.“
„Ich will es eben richtig machen.“
„So kann ich das noch nicht abgeben.“
„Das dauert nur fünf Minuten.“
„Wenn ich es mache, dann ordentlich.“
Und natürlich: Gegen ordentlich ist nichts einzuwenden.
Sorgfalt ist wertvoll. Genauigkeit auch. Verlässlichkeit sowieso.
Viele Menschen mit perfektionistischen Anteilen sind nicht oberflächlich, bequem oder nachlässig. Im Gegenteil. Sie denken mit. Sie sehen Details. Sie übernehmen Verantwortung. Sie wollen gute Arbeit leisten. Sie möchten niemanden enttäuschen. Sie merken Fehler oft, bevor andere überhaupt bemerkt haben, dass es etwas zu merken gibt.
Das Problem beginnt nicht bei Sorgfalt. Das Problem beginnt dort, wo fertig nie fertig ist.

Wo eine E-Mail zum siebten Mal gelesen wird, obwohl sie längst klar ist.
Wo eine Präsentation noch einmal überarbeitet wird, obwohl niemand mehr merkt, ob die Folie jetzt „stimmiger“ oder nur anders ist.
Wo ein Lob kurz ankommt – und sofort vom inneren Qualitätsmanagement einkassiert wird:
„Ja, aber da war trotzdem diese eine Stelle.“
Wo ein kleiner Fehler abends mit ins Bett kommt und sich dort aufführt,
als hätte er ein eigenes Kopfkissen gebucht.
Perfektionismus kann nach außen stark wirken. Innen fühlt er sich oft anders an:
Wie Daueranspannung.
Wie ein inneres Getriebensein.
Wie Arbeiten unter Beobachtung.
Wie ein Anspruch, der nie Feierabend macht.
Vielleicht kennen Sie diesen Moment:
Sie haben etwas geschafft. Objektiv gut. Vielleicht sogar sehr gut. Andere sind zufrieden.
Aber innerlich beginnt sofort die Nachbesprechung:
„Das hätte noch klarer sein können.“
„Da war ich nicht souverän genug.“
„Andere hätten das besser gemacht.“
„Ich hätte mich mehr vorbereiten müssen.“
„Beim nächsten Mal darf mir das nicht passieren.“
So wird aus Leistung kein Ankommen. Sondern nur die nächste Runde.
Perfektionismus ist oft ein Selbstwertthema. Nicht immer laut. Nicht immer offensichtlich. Aber häufig hängt darunter eine stille Frage:
Bin ich auch dann noch genug, wenn ich nicht glänze, nicht funktioniere und nicht alles richtig mache?
Wenn Sie merken, dass Ihr Anspruch an sich selbst viel Kraft kostet, können wir in einem kostenfreien Vorgespräch gemeinsam schauen, was Sie gerade brauchen – und ob meine psychologische Beratung online für Sie passend ist.
Was ist Perfektionismus?
Perfektionismus bedeutet nicht einfach, hohe Ansprüche zu haben.
Hohe Ansprüche können hilfreich sein. Sie können Qualität ermöglichen, Orientierung geben und Ausdruck echter Sorgfalt sein. Sie können dazu führen, dass etwas gut durchdacht, verlässlich und professionell wird.
Belastender Perfektionismus beginnt dort, wo der Anspruch nicht mehr dient, sondern antreibt.
Entscheidend ist deshalb nicht nur, wie hoch Ihr Anspruch ist, sondern auch, wie flexibel Sie damit umgehen können.
Dann geht es nicht mehr nur darum, etwas gut zu machen. Dann geht es darum, keinen Fehler zu machen.
Nicht angreifbar zu sein.
Nicht kritisiert zu werden.
Nicht zu enttäuschen.
Nicht zu versagen.
Nicht als ungenügend dazustehen.
Perfektionismus fragt selten freundlich:
Was wäre hier gut genug?
Er fragt eher:
Der Maßstab wandert dabei häufig mit.
Was gestern noch gut gewesen wäre, ist heute selbstverständlich. Was erreicht wurde, zählt nur kurz. Was nicht perfekt war, bleibt hängen.
So entsteht ein inneres Klima, in dem Menschen viel leisten, aber selten wirklich zufrieden sind.
Perfektionismus ist also nicht einfach Liebe zur Vollkommenheit.
Oft ist er eher Angst vor dem Gegenteil:
Angst vor Fehlern.
Angst vor Kritik.
Angst vor Kontrollverlust.
Angst, ohne Leistung weniger wert zu sein.
Und genau deshalb reicht es nicht, einem perfektionistischen Menschen zu sagen:
„Dann sei doch mal lockerer.“
Wäre es so einfach, hätte er es längst erledigt. Vermutlich gründlich. Mit sauberer To-do-Liste.
Wann wird hoher Anspruch zur Belastung?
Nicht jeder hohe Anspruch ist problematisch.

Es gibt Menschen, die anspruchsvoll sind, gute Arbeit leisten und trotzdem innerlich frei bleiben. Sie können Fehler korrigieren, ohne sich selbst zu zerlegen. Sie können etwas abgeben, obwohl es nicht perfekt ist. Und sie können sich über Gelungenes freuen, ohne sofort nach der Schwachstelle zu suchen.
Belastender Perfektionismus fühlt sich anders an. Er hat etwas Unersättliches.
Sie leisten viel – aber innerlich reicht es nicht.
Sie bereiten sich gut vor – aber fühlen sich trotzdem unsicher.
Sie bekommen Lob – aber können es nicht richtig glauben.
Sie machen einen kleinen Fehler – und er beschäftigt Sie noch lange.
Sie schieben Aufgaben auf, weil das Ergebnis möglicherweise nicht perfekt wird.
Sie brauchen sehr lange, bis etwas „fertig genug“ ist.
Sie vermeiden Neues, weil Sie dort zunächst Anfänger sein müssten.
Perfektionismus führt nicht immer zu mehr Leistung. Manchmal führt er zu Stillstand.
Denn wer alles perfekt machen will, beginnt manches gar nicht erst.
Oder beendet es nicht.
Oder arbeitet so lange daran, dass die eigene Kraft aufgebraucht ist.
Ein hoher Anspruch wird dann zur Belastung, wenn er keinen Spielraum mehr lässt:
Keinen Spielraum für Lernen.
Für Fehler.
Für Pausen.
Für Menschlichkeit.
Für „gut genug“.
Für Entwicklung.
Und vor allem: keinen Spielraum für Selbstachtung unabhängig vom Ergebnis.
Zum Weiterlesen: Selbstwertgefühl steigern: So gelingt es ohne Selbstoptimierungswahn
Perfektionismus: Ursachen und die Suche nach Kontrolle
Perfektionismus hat selten nur eine Ursache.
Meist entsteht er aus einem Zusammenspiel von Persönlichkeit, Lernerfahrungen, Selbstwertthemen, inneren Antreibern und dem Umfeld, in dem ein Mensch gelernt hat, wie Anerkennung funktioniert.
Dabei gibt es selten eine gerade Linie von einer bestimmten Erfahrung zu späterem Perfektionismus.
Häufig sind es viele kleine Botschaften und Erlebnisse, die sich mit der Zeit zu einem inneren Muster verbinden.
Manche Menschen wachsen in einem Umfeld auf, in dem Leistung besonders stark zählt:
Gute Noten.
Gutes Benehmen.
Fehlerfreiheit.
Funktionieren.
Nicht auffallen.
Sich zusammenreißen.
Besser sein.
Stärker sein.
Schneller sein.
Andere erleben Kritik früh als beschämend oder bedrohlich. Dann kann Fehlervermeidung zu einer Schutzstrategie werden.
Wieder andere lernen:
„Anerkennung bekomme ich, wenn ich leiste.“
„Wenn ich angenehm bin.“
„Wenn ich alles im Griff habe.“
„Wenn ich keine Schwäche zeige.“
„Wenn ich keinen Anlass zur Kritik biete.“
So entsteht innerlich eine Gleichung, die später sehr teuer werden kann:
Ich bin sicher, wenn ich perfekt bin.
Oder:
Ich bin wertvoll, wenn ich funktioniere.
Natürlich steht dieser Satz selten so klar im Kopf. Er zeigt sich eher im Alltag:
In der Unruhe vor einer Aufgabe.
Im schlechten Gewissen während einer Pause.
In der Angst vor Kritik.
Im Drang, alles noch einmal zu kontrollieren.
Im Gefühl, erst entspannen zu dürfen, wenn wirklich alles erledigt ist.
Perfektionismus ist dann nicht nur Anspruch. Er wird zum Selbstschutz.
Nur leider zu einem Selbstschutz, der irgendwann selbst zur Belastung wird.
Denn wenn Kontrolle der einzige Weg ist, sich sicher zu fühlen, wird das Leben eng.
Sehr ordentlich.
Aber eng.
Perfektionismus und Selbstwert: Wenn Leistung beweisen soll, dass Sie genügen
Perfektionismus und Selbstwert hängen häufig eng zusammen.
Nicht immer. Aber oft.
Dann ist Leistung nicht nur Leistung. Sie wird zum Beweis.
Ein gutes Ergebnis beweist: Ich bin kompetent.
Ein Lob beweist: Ich bin okay.
Eine fehlerfreie Arbeit beweist: Ich darf mich sicher fühlen.
Eine starke Außenwirkung beweist: Ich habe alles im Griff.
Das Problem ist: Dieser Beweis hält nie lange.
Ein Beispiel aus dem Berufsalltag:
Eine erfahrene Mitarbeiterin stellt ein Projekt vor, an dem sie mehrere Wochen gearbeitet hat. Die Rückmeldungen sind positiv. Die Präsentation ist klar, das Ergebnis überzeugt.
Nur auf eine unerwartete Detailfrage kann sie nicht sofort antworten.
Am Abend denkt sie kaum noch an das gelungene Projekt. Sie denkt an diesen einen Moment. An die kurze Pause. An den Satz, den sie im Nachhinein besser formuliert hätte.
Das Lob mehrerer Menschen wiegt plötzlich weniger als eine einzige Antwort, die nicht sofort saß.
Nicht weil die Präsentation schlecht war. Sondern weil ihr inneres Bewertungssystem Unsicherheit stärker registriert als Erfolg.
Kaum ist etwas geschafft, meldet sich die nächste Aufgabe. Die nächste Erwartung. Die nächste mögliche Schwachstelle.
So entsteht ein Selbstwertgefühl, das immer wieder neu bestätigt werden muss.
Nicht einmal.
Nicht manchmal.
Sondern ständig.
Das ist erschöpfend.
Denn wer den eigenen Wert an Leistung bindet, kann kaum ausruhen. Ruhe fühlt sich dann nicht nach Erholung an, sondern nach Gefahr:
Da wäre ja noch etwas zu tun.
Da könnte ich noch besser werden.
Da könnte jemand merken, dass es nicht reicht.
Da könnte auffallen, dass ich gar nicht so souverän bin, wie ich wirke.
Perfektionismus flüstert:
„Streng dich noch ein bisschen mehr an. Dann bist du sicher.“
Aber dieses „noch ein bisschen mehr“ hat keinen Boden. Es endet nicht von selbst.
Ein gesunder Selbstwert bedeutet nicht, dass Leistung unwichtig wird. Er bedeutet, dass Leistung nicht mehr die einzige Währung ist, mit der Sie Ihre Daseinsberechtigung bezahlen.
Zum Weiterlesen: Gesunder Selbstwert: Das Gesicht des Selbstwerts
Perfektionismus im Beruf: zuverlässig, gründlich – und dauerhaft angespannt

Im Beruf wird Perfektionismus häufig belohnt.
Zumindest am Anfang.
Menschen mit perfektionistischen Anteilen liefern ab. Sie denken mit. Sie prüfen Details. Sie halten Fristen. Sie übernehmen Verantwortung. Sie erkennen Risiken. Und sie wollen gute Arbeit leisten.
Das ist wertvoll.
Und genau deshalb bleibt die Überforderung manchmal lange unsichtbar.
Von außen sieht es nach Kompetenz aus. Innen fühlt es sich möglicherweise nach Daueranspannung an:
Sie brauchen sehr lange für Aufgaben, weil Sie alles mehrfach prüfen.
Sie können schlecht delegieren, weil andere es vielleicht nicht „richtig“ machen.
Kritische Rückmeldungen beschäftigen Sie länger, als Ihnen guttut.
Sie fühlen sich erst sicher, wenn Sie jedes Detail kontrolliert haben.
Sie sagen selten: „Das reicht so.“
Sie übernehmen mehr, als eigentlich noch gut für Sie ist.
Sie haben Schwierigkeiten, Feierabend zu machen, solange etwas offen ist.
Perfektionismus im Beruf kann außerdem dazu führen, dass Prioritäten verschwimmen.
Alles wirkt wichtig.
Alles soll gut werden.
Alles soll möglichst fehlerfrei sein.
Aber nicht jede Aufgabe verdient dieselbe Sorgfalt.
Ein wichtiges Kundenangebot braucht eine andere Genauigkeit als eine kurze interne Terminabstimmung. Perfektionismus behandelt beides trotzdem gern so, als hinge die berufliche Ehre an jedem einzelnen Komma.
Manche Aufgaben brauchen 100 Prozent.
Andere brauchen 80.
Manche brauchen nur eine klare Entscheidung.
Und manche brauchen vor allem eines: fertig zu werden.
Ein hilfreicher Satz kann sein:
Was wäre hier angemessen gut?
Nicht perfekt.
Angemessen.
Das ist kein Qualitätsverlust. Das ist Selbstführung.
Zum Weiterlesen: Grenzen setzen: Klar bleiben, ohne hart zu werden
Perfektionismus in Beziehungen: Wenn auch Nähe richtig gemacht werden soll
Perfektionismus zeigt sich nicht nur im Beruf. Er kann auch Beziehungen betreffen.
Dann geht es nicht mehr nur darum, Aufgaben perfekt zu erledigen. Es geht darum, auch in der Partnerschaft, in Freundschaften, in der Familie oder im Kollegenkreis möglichst alles richtig zu machen:
Richtig reagieren.
Richtig formulieren.
Richtig unterstützen.
Richtig fühlen.
Richtig aussehen.
Richtig stark sein.
Richtig entspannt wirken.
Das klingt beinahe absurd, wenn man es so liest. Innerlich kann es sich dennoch sehr real anfühlen.
Vielleicht möchten Sie keine Belastung sein.
Vielleicht wollen Sie immer verständnisvoll reagieren.
Vielleicht fällt es Ihnen schwer, Schwäche zu zeigen.
Vielleicht entschuldigen Sie sich vorsichtshalber.
Vielleicht grübeln Sie lange über Gespräche nach.
Vielleicht fragen Sie sich noch Stunden später, ob Sie etwas falsch gesagt haben.
Ein typischer Moment kann so aussehen:
Sie hatten ein eigentlich gutes Gespräch mit einem Menschen, der Ihnen nahesteht. Später fällt Ihnen ein Satz wieder ein, den Sie möglicherweise ungeschickt formuliert haben. Ihr Gegenüber hat gar nicht auffällig reagiert. Trotzdem gehen Sie das Gespräch innerlich noch einmal durch.
Sollten Sie etwas erklären?
Lieber noch eine Nachricht schreiben?
Sich sicherheitshalber entschuldigen?
Aus einem etwas unbeholfenen Satz wird innerlich eine kleine Beziehungskrise – allerdings zunächst nur in Ihrem eigenen Kopf.
Perfektionismus in Beziehungen kann Nähe erschweren.
Denn echte Nähe braucht nicht nur Ihre souveräne, verständnisvolle und gut sortierte Version. Sie braucht auch Unfertigkeit:
Missverständnisse.
Korrekturen.
Unbeholfene Sätze.
Ehrliche Grenzen.
Menschlichkeit.
Wer in Beziehungen perfekt sein will, wird häufig vorsichtig. Und wer zu vorsichtig wird, zeigt sich irgendwann nicht mehr ganz.
Dann bleibt eine Beziehung vielleicht harmonisch. Aber nicht unbedingt lebendig.
Perfektionismus und People Pleasing können sich dabei überschneiden. Beim People Pleasing steht vor allem die Angst im Vordergrund, durch ein Nein, eine eigene Meinung oder eine Enttäuschung die Zustimmung anderer zu verlieren. Beim Perfektionismus geht es stärker um den Anspruch, auch als Partner, Freund oder Familienmitglied möglichst fehlerfrei zu sein.
Zum Weiterlesen: People Pleasing: Wenn Freundlichkeit zur Selbstaufgabe wird
Perfektionismus und Imposter: Warum Erfolg trotzdem nicht ankommt
Perfektionismus und Imposter-Gefühle sind enge Nachbarn. Sie sind nicht dasselbe, können sich aber gegenseitig verstärken.
Perfektionismus sagt:
Mach bloß keinen Fehler.
Die Imposter-Stimme ergänzt:
Wenn du einen Fehler machst, fliegst du auf und alle merken, dass du nichts drauf hast.
Zusammen können diese beiden Stimmen sehr anstrengend werden. Dann wird jeder Erfolg sofort relativiert:
Das war Glück.
Das war nicht so schwer.
Andere hätten es besser gemacht.
Ich habe mich eben besonders gut vorbereitet.
Beim nächsten Mal fliege ich bestimmt auf.
Fehler werden dagegen nicht relativiert, sondern vergrößert:
Das hätte nicht passieren dürfen.
Jetzt ist es raus.
Ich bin doch nicht kompetent genug.
Ich muss mich noch mehr anstrengen.
So entsteht eine Schleife:
Hoher Anspruch.
Starke Vorbereitung.
Erfolg.
Kurze Erleichterung.
Abwertung des Erfolgs.
Neue Angst.
Noch mehr Anstrengung.
Das ist erschöpfend. Und es erklärt, warum manche Menschen nach außen erfolgreich und souverän wirken, sich innerlich aber nie wirklich sicher fühlen.
Nicht, weil sie nichts können. Sondern weil ihr inneres Bewertungssystem mit zweierlei Maß misst:
Erfolge zählen nur halb. Fehler zählen doppelt.
Zum Weiterlesen: Imposter-Syndrom: Sie sind kein Hochstapler!
Klarheit statt Selbstoptimierungsdruck
Manche Menschen versuchen sogar, ihren Perfektionismus perfekt zu überwinden.
Sehr ordentlich. Sehr engagiert. Sehr anstrengend.
Dann wird aus dem alten Anspruch einfach ein neuer:
Ich muss jetzt entspannt sein.
Ich muss Fehler gut finden.
Ich muss mich selbst lieben.
Ich muss sofort lockerer werden.
Ich muss endlich aufhören, so perfektionistisch zu sein.
So bekommt der Perfektionismus wieder einen neuen Job.
Nur trägt er jetzt bequemere Kleidung.
Veränderung beginnt oft leiser. Mit ehrlicher Wahrnehmung und Fragen wie:
Was kostet mich Kraft?
Wo bin ich besonders streng mit mir?
Wo verwechsle ich Leistung mit meinem Wert?
Wo darf etwas gut genug sein?
Was würde ich tun, wenn ich mich nicht ständig beweisen müsste?
Wenn Sie sich diesen Fragen in Ruhe nähern möchten, kann mein kostenfreier Klarheits-Check: Klar sehen. Tiefer fühlen. Echt leben. ein guter erster Schritt sein.
Sie finden ihn auf der Seite Klarheit zum Mitnehmen. Der Klarheits-Check lädt Sie dazu ein, Ihre Gedanken zu sortieren, innere Muster zu erkennen und sich selbst wieder klarer zuzuwenden.
Nicht perfekt. Nicht kompliziert. Aber ehrlich.
Häufige Fragen zu Perfektionismus
Was ist Perfektionismus?
Perfektionismus bedeutet, sehr hohe Ansprüche an sich selbst, die eigene Leistung oder auch an andere zu stellen und Fehler möglichst vermeiden zu wollen. Belastend wird er, wenn gut nie gut genug ist, Fehler stark verunsichern und der eigene Wert zunehmend von Leistung, Fehlerfreiheit oder Anerkennung abhängt.
Woran erkenne ich ungesunden Perfektionismus?
Ungesunder Perfektionismus zeigt sich häufig durch starke Selbstkritik, Angst vor Fehlern, wiederholtes Kontrollieren und Schwierigkeiten, etwas abzuschließen. Auch Aufschieben kann ein Zeichen sein: Manche Menschen beginnen eine Aufgabe nicht, weil sie fürchten, das Ergebnis könnte ihren eigenen Ansprüchen nicht genügen.
Woher kommt Perfektionismus?
Perfektionismus hat selten nur eine Ursache. Begünstigt werden kann er unter anderem durch hohen Leistungsdruck, beschämende Kritik, frühe Verantwortung oder die Erfahrung, vor allem für Leistung und angepasstes Verhalten Anerkennung zu erhalten. So kann Perfektionismus zu einer Strategie werden, um Sicherheit, Kontrolle oder Zugehörigkeit zu erleben.
Wie kann ich Perfektionismus überwinden?
Perfektionismus zu überwinden beginnt damit, die eigenen Maßstäbe bewusster zu prüfen:
Was ist hier angemessen gut? Muss es wirklich perfekt sein? Und was würde tatsächlich passieren, wenn mir ein Fehler unterläuft?
Hilfreich sind kleine Erfahrungen mit „fertig genug“, ein fairerer Umgang mit dem inneren Kritiker und die klare Trennung zwischen einem Fehler und dem eigenen Wert.
Zum Weiterlesen: Perfektionismus überwinden: 5 Übungen für weniger inneren Druck
Ist Perfektionismus eine Krankheit?
Perfektionismus ist keine eigenständige psychische Erkrankung. Er kann eine Persönlichkeitstendenz oder ein erlerntes Muster sein. Problematisch wird er, wenn er dauerhaft Stress, Erschöpfung, starke Selbstkritik oder Angst verursacht und das Leben zunehmend einschränkt. Perfektionistische Muster können außerdem bei verschiedenen psychischen Beschwerden eine Rolle spielen oder diese aufrechterhalten.
Was hat Perfektionismus mit Selbstwert zu tun?
Perfektionismus und Selbstwert hängen häufig zusammen, wenn Menschen ihren Wert stark über Leistung, Fehlerfreiheit oder Anerkennung bestimmen. Dann fühlt sich ein Fehler nicht mehr nur wie ein misslungenes Ergebnis an, sondern wie ein Hinweis darauf, als Mensch nicht zu genügen. Genau diese Verknüpfung macht Perfektionismus so anstrengend.
Sorgfältig sein, ohne sich selbst zu zerlegen
Perfektionismus ist nicht einfach nur ein hoher Anspruch.
Oft ist er der Versuch, sich sicher zu fühlen:
Sicher vor Kritik.
Sicher vor Fehlern.
Sicher vor Ablehnung.
Sicher vor dem Gefühl, nicht zu genügen.
Und genau deshalb lässt er sich selten mit einem lockeren „Mach doch mal halblang“ verabschieden.
Perfektionismus verdient Verständnis. Aber nicht die Führung.
Sie dürfen sorgfältig bleiben. Qualität mögen. Verantwortung übernehmen und gute Arbeit leisten.
Aber Sie müssen sich dafür nicht innerlich zerlegen.
Sie müssen nicht perfekt sein, um wertvoll zu sein.
Nicht fehlerfrei, um liebenswert zu sein.
Nicht unangreifbar, um kompetent zu sein.
Vielleicht beginnt Veränderung nicht mit einem großen Fehler, den Sie plötzlich gelassen wegstecken.
Sondern mit einem kleinen Satz:
Das ist gut genug. Und ich bin es auch.
Wie Sie das im Alltag üben können, zeige ich im Beitrag Perfektionismus überwinden: 5 Übungen für weniger inneren Druck.
Wenn Ihr Anspruch mehr Kraft kostet, als er Ihnen gibt
Wenn Sie merken, dass Ihr Anspruch an sich selbst viel Kraft kostet, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Vielleicht geht es nicht nur um bessere Organisation. Vielleicht geht es um Selbstwert, Angst vor Fehlern, innere Antreiber oder das Gefühl, sich den eigenen Platz immer wieder verdienen zu müssen.
In meiner psychologischen Beratung online unterstütze ich Sie dabei, die offenen Tabs im Kopf zu sortieren – und zu schließen, was dauerhaft Kraft kostet.
Für mehr innere Klarheit, eine gute Selbstführung und einen faireren Umgang mit sich selbst.
Wenn Sie sich darin wiedererkennen, können wir in einem kostenfreien Vorgespräch gemeinsam schauen, was Sie gerade brauchen – und ob mein Angebot zu Ihnen passt.
Vielleicht interessiert Sie auch:
Quellen & Inspirationen:
Frost, R. O., Marten, P., Lahart, C. & Rosenblate, R. (1990): The Dimensions of Perfectionism. Cognitive Therapy and Research, 14, 449–468.
Hewitt, P. L. & Flett, G. L. (1991): Perfectionism in the Self and Social Contexts: Conceptualization, Assessment, and Association With Psychopathology. Journal of Personality and Social Psychology, 60(3), 456–470.
Shafran, R., Cooper, Z. & Fairburn, C. G. (2002): Clinical Perfectionism: A Cognitive-Behavioural Analysis. Behaviour Research and Therapy, 40(7), 773–791.
Praxis Kommunikation, Ausgabe 04/2025: People Pleasing – Der stille Druck, es allen recht zu machen. Junfermann Verlag.





